Bad Alchemy's Die Faden CD review

Diese Stadt brachte ich bisher nur mit Ultrasound in Verbindung und tatsächlich, Ultrasounds Violaspieler James Alexander ist hier maßgebend beteiligt. Allerdings bewegt er sich mit der Musik, die er im Verbund mit dem Tenorsaxophonisten Carl Smith und Jason Friedrich an den Drums spielt, weitab von Ultrasounds Dröhnminimalismus. E.C.F.A. steht für emanation, creation, formation, action und klanglich umgesetzt entsteht dabei eine sehr eigenwillige Variante von Chamber-Jazz. Friedrich erweist sich als ständig Unruhe stiftender Poltergeist, die sonoren Violastriche verankern andererseits die Gefühlswelt in von Reflexion und Wehmut geprägten Winkeln des alten Europa. Wem das zu weit hergeholt scheint (obwohl der Kontakt zur Band über ’europeanechos@Œ läuft), den überzeugt vielleicht eher eine assoziativ sich aufdrängende Querverbindung zu Joe & Mat Maneri, zwar nicht mit Vierteltonkonsequenz, aber in ähnlich eckiger Konstruktivität und angerauter Chromatik. Die Musik strahlt ein starkes Selbstbewusstsein aus und hält dickköpfig daran fest, dass Komplexität nicht schaden kann, wenn man sich die stete Aufmerksamkeit der Hörer sichern will. Die labyrinthischen Irrgärten von fünf der sechs Stücke, deren komponierter Charakter durch Titel wie ’Variations in CŒ, ’Waters VariationsŒ und ,Variations in AŒ einen Anstrich von handwerklicher Unprätenziösität bekommt, sind dem Kopf von Smith entsprungen, das abschließende ’3 EggsŒ hat sich Alexander ausgedacht. Smith, ein 1975 geborener echter Texaner, hält sich mit seinem Sound und intellektuellen Stil etwas abseits der Energyplay-Tradition. In seiner musikalischen Biografie stößt man auf Namen wie Sabir Mateen, Rob Brown, Frank Gratkowski und Assif Tsahar. Dem Reedplayer Alex Coke, dem Trompeter Dennis Gonzales, dem Komponisten und Kopf der Gold Sparkle Band Charles Waters und Faruq Z. Bey, von 1972 bis 1991 Mitglied der Detroiter Griot Galaxy und heute Leader des Conspiracy of Wind Ensemble, hat er Stücke gewidmet. All diese ’FädenŒ - eine seiner Kompositionen hat er übrigens ebenfalls deutsch ’FernwehŒ getauft - schlingt Smith zu immer neuen Knoten, die die mythischen Penelope- und Odysseus-Stränge des Jazz aneinander binden.

Note: This review will appear in Würzburg, Germany's Bad Alchemy #47 (20th anniversary issue) due in mid-summer.