Bad Alchemy's Die Mitte CD review

E.C.F.A. QUARTET Die Mitte (Lenka Lente Records, Lkl 05-02-2005): Tenorsaxophonist Carl Smith hat sein E.C.F.A. Trio in Austin, TX zum Quartett erweitert und mit ihm den erneut germanophil betitelten Nachfolger zu Die Faden (-> BA 47) aufgenommen. Neben dem Drummer Jason Friedrich und James Alexander an der Viola spielt Holland Hopson Sopranosaxophon und ,Late Brunch' ist ein Drum-Trio mit dem Tenorsaxophonisten Alex Coke, von dem dieser Coleman'eske Calypso auch stammt. Coke ist zudem mit ,Cokeloss' eines der sieben Stucke gewidmet. Andere Widmungstrager sind Steve Lacy (,Swaps'), der Tenorsaxophonist Dave Maddox, Ende der 90er mit Diatessaron und den Lineage Duets mit Tim Keenan Teil der Chicagoszene (,Maddox'), und Ken Vandermark, selbst ein gro§er Widmer, dem diese Geste wahrscheinlich hiermit erstmals selbst gilt (,Arbeit Ethisch' ist auf ihn bezogen ubrigens ein ausnehmend treffender Titel). Daneben gibt es mit ,Blutig Rohrblatt' und ,Selbstverwaltung' noch zwei weitere deutsche Titel. Der kompositorische Aspekt ist bei Smith ganz gro§ geschrieben, was neben dem Klang der Viola den Stucken einen ausgesprochen kammermusikalischen Anstrich gibt. Die strenge und auf komplexe Weise dennoch einfache Linienfuhrung bleibt immer transparent, was den nachdenklichen, bedachtigen, keinen Augenblick jedoch unentschlossenen Charakter der Musik ganz direkt ausstellt. Die abgezirkelte Stimmfuhrung scheint manchmal abseits von Expression oder Impression aus einem praromantischen Fundus zu schopfen, sich nahezu grublerisch in alte Aufzeichnungen zu versenken, in manieristische Fragmente voller wei§er Stellen, die aber im Geist dieser speziellen Musik ausgefullt werden. Nicht erst bei ,Swaps' meint man dabei auch Lacys eckigen Kalkulationen und hintersinnigen Figuren zu begegnen. Das Ganze ist sehr eigen, voller angeschragter UnisonoStimmfuhrungen und kontrapunktischer Raffinessen, ein Sonderweg selbst im Cool und Abstrakt Jazz, wie man ihn vielleicht noch von den Maneris kennt.
-Rigobert Dittman, Bad Alchemy Music Magazine #49